Hochwasser-Frühwarnsystem Sachsen: jetzt online

Das in den vergangenen Jahren am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) konzipierte Hochwasserfrühwarnsystem für Sachsen ist nun online verfügbar. Das System prognostiziert die Hochwassergefährdung für 16 Vorhersageregionen im Freistaat für bis zu 24 Stunden im Voraus. Methodisch basiert es auf einem vergleichsweise einfachen Klassifikationsverfahren, welches sich für den Anwendungsfall “Frühwarnung” als durchaus konkurrenzfähig gegenüber teilweise weitaus aufwändigeren Ansätzen erwiesen hat.

Alle Details zum überspannenden Projekt, zu Vorarbeiten, Vergleichsuntersuchungen sowie eine Auswertung der Modellperformance für das erste anderthalbe Jahr des operationellen Betriebes finden sich im Projektendbericht:

Endbericht Hochwasserfrühwarnung für kleine Einzugsgebiete

Eine kompakte Übersicht zum Frühwarnsystem bietet dieser Erklärfilm:

Frühwarninformationen sind derzeit über die Webseite des Landeshochwasserzentrums sowie proaktiv über einen RSS-Feed zu beziehen. Mit letzterer Möglichkeit lassen sich vielfältige nutzerseitige Warnlösungen erstellen (z.B. Benachrichtigungen auf Desktop-Computern oder auf Smartphones). Auch mit webbasierten Diensten wie IFTTT lässt sich mit RSS-Feeds mittlerweile ziemlich viel anstellen (“Drehe das Licht auf Rot, wenn eine Warnung vorliegt”).

Das LfULG setzt derweil seine Aktivitäten zur Verbesserung des Managements von Starkregenereignissen fort, insbesondere als Lead-Partner im EU-Interreg-Projekt RAINMAN. Dabei wird unter anderem ein starker Fokus auf die Einbeziehung von Nutzern von Frühwarnungen gelegt mit dem Ziel, die Risikobewertung vor Ort zu stärken sowie Frühwarnprodukte zukünftig noch mehr maßgeschneidert anbieten zu können.

Sächsische Zeitung sehnt sich das nächste Hochwasser herbei

Die Sächsische Zeitung titelt heute (09.06.2016) “…bald (…) Hochwasser: Die Großenhainer Feuerwehr ist jetzt besser gegen Hochwasser gerüstet – wohl rechtzeitig, wie Wetterexperten befürchten.”

Der Artikel bezieht sich auf ein Video-Post des Meteorologen Kai Zorn für wetter.com vom 05.06.2016 (also vier Tage älter, als der SZ-Artikel) und greift die dort geäußerte Prognose auf, dass “zur Monatsmitte (…) ein großes Hochwasser” möglich scheint. Das Video schließt u.a. mit der sinngemäßen Bemerkung “Ich will dieses Hochwasser auf keinen Fall herbeireden, sondern nur sensibilisieren, dass da was im Busch ist…”

Nun, genauso, wie sich das Wetter stetig ändert, so müssen sich auch Vorhersage-Ergebnisse mit jeder neuen Vorhersage ändern (denn sie sind nicht zuletzt auf die Konditionierung durch die Beobachtungen angewiesen). Weiterhin gilt, je kürzer der Vorhersagezeitraum, desto besser/verlässlicher die Vorhersage.

Bezogen auf den Video-Post von Herrn Zorn sprechen wir ja von einer mittelfristigen Vorhersage mit einer Vorhersageweite von immerhin ~10 Tagen. Klar, es gab einige Signale für große Regenmengen zur Monatsmitte in einigen Modellen/Modellläufen (beispielsweise in dem im Video angesprochenen amerikanischen GFS-Modell), aber Wettervorhersagen (insbesondere bezogen auf den Niederschlag) sind vor allem eines: MIT UNSICHERHEITEN BEHAFTET. Das liegt in der Natur der Sache, ist nicht schlimm, ist aber wichtig zu wissen, um nicht in der ersten Juni-Woche für die Monatsmitte den Weltuntergang auszurufen!

Abschließend bemerkt die SZ: “Auch Experten des Deutschen Wetterdienstes sehen in der derzeitigen Großwetterlage Parallelen zu den Wetterlagen, die zu den Jahrhunderthochwassern 2002 und 2013 geführt haben.” Möglicherweise bezieht man sich dabei auf diesen Artikel in der LVZ (vom 01.06.2015), in der ein DWD-Meteorologe zu Wort kommt?

Richtig ist, dass am 01.06.2016 sehr wohl die durchaus stark hochwasserträchtige Großwetterlage “Tief Mitteleuropa” vorherrschte (wie übrigens auch beim Hochwasser 2002 und 2013). Deren Potential für Ungemach mit den teilweise lokal extremen Niederschlägen konnten wir in den letzten ~2 Wochen in Deutschland beobachten.

Momentan befinden wir uns in einer recht schnöden westlichen Strömung (WZ oder SWZ), die für wechselhaftes Wetter sorgt; auch hier sind demnächst größere Regenmengen möglich, die allerdings nicht das Zeug haben, zu einem überregionalen Großereignis zu führen. Die synoptische Mittelfrist-Übersicht des DWDs sagt dazu am heutigen 09.06.2016:

Schauerartiger Regen, Schauer oder Gewitter sind bei dieser Wetterlage zu erwarten. Dabei besteht lokal durchaus das Potenzial für Starkregen, das Unwetterpotenzial diesbezüglich ist aber im Vergleich zu zuletzt bei deutlich moderateren CAPE-Werten und schnellerer Dynamik in der Höhe deutlich verringert.

Noch mal ganz deutlich: Derzeit und auch voraussichtlich zur Monatsmitte besteht für Sachsen keine überregionale Hochwassergefahr. Also erstmal – einer alten Automechanikerweisheit folgend – weiterfahren und beobachten…

PS: Ich fand den SZ-Artikel trotzdem lehrreich; Pumpen, die ganze Handtücher durchschaffen?! Ziemlich cool…